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Die Wiener Würstler sollten nach Salzburg schauen

Was ist es nur mit den Wiener Würsteln? Weltberühmt in der eigenen Stadt, jedoch braucht man ein richtig sonniges Gemüt, um beim Reinbeißen nicht augenblicklich depressiv zu werden. Was da ungestraft in Därme gedrückt und um stolzes Geld an den Gast gebracht werden darf, kann in den meisten Fällen nur als nahrungsähnlich bezeichnet werden: Man muss schon sehr im Öl sein, damit Burenheidl, Waldviertler, Frankfurter oder sonst eine Kaminwurz'n ohne Nachwehen durchflutschen.

Salzburg ist anders

Wie gut es anders geht, lässt sich in Salzburg erleben. Ist zwar eine Provinzstadt, hat kaum mehr als zwei, drei nachttaugliche Standler - aber was für welche. Die vielgerühmte - und mobile! - Heiße Kiste bei der Staatsbrücke etwa bietet mehr als ordentliche Wurst ums Geld - und richtig knuspriges Brot oder flaumigste Bäcker-Dampfsemmeln sowieso. Allein dass die Käsekrainer hier gesotten verkauft wird und dennoch den Hauptteil des Umsatzes ausmacht, darf als Indikator für die Qualität der Grundzutaten gelten, vom supersauberen, an selige Kindheitstage erinnernden Aroma der Frankfurter und des Leberkäses ganz zu schweigen. Heiße Info für Wiener Würstler: Beliefert wird die Kiste von der Fleischhauerei Anton Karl auf der Salzburger Gnigl. Kann doch nicht so schwer sein, die nach Wien zu bekommen! (Severin Corti, DER STANDARD, 22.2.2014)

Quelle: http://derstandard.at/1392686405896/Lange-Nacht-heisse-Kiste-Wiener-Wuersteldepression